{"id":77,"date":"2025-05-04T14:39:27","date_gmt":"2025-05-04T12:39:27","guid":{"rendered":"http:\/\/studis.bergbau-seelitz.de\/?page_id=77"},"modified":"2025-08-20T14:55:14","modified_gmt":"2025-08-20T12:55:14","slug":"bergbau-in-wiederau","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bergbau-seelitz.de\/?page_id=77","title":{"rendered":"Bergbau in Wiederau"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;Hierunter verdienen haupts\u00e4chlich diejenigen, welche unter dem Namen des&nbsp;rochlitzer Agats&nbsp;bekannt geworden, aller Kenner Bewunderung, weil sie gewi\u00df alle Agate in der Welt an Sch\u00f6nheit \u00fcbertreffen, und, wegen ihres entstandenen Mangels, sehr theuer bezahlet werden.&#8220;&nbsp;<em>(Bergrat EILENBURG, Inspektor des Dresdner Mineralienkabinetts, 1755)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte der s\u00e4chsischen Edelsteine l\u00e4sst sich viele Jahre zur\u00fcckverfolgen; blieb sie doch nicht ihrem zuf\u00e4lligen Lauf \u00fcberlassen, sondern wurde schon lange durch die Machtaus\u00fcbung der s\u00e4chsischen Kurf\u00fcrsten gepr\u00e4gt. Besonderen Vorschub erfuhr das Forschen nach Bodensch\u00e4tzen unter &#8222;August dem Starken&#8220; ab 1694. Bereits aus dem Jahr 1445 ist ein Name bekannt, mit dem ein Privileg verbunden war: Lorenz Hofmann durfte von da an per Zeugnis, ausgestellt von Kurf\u00fcrst Friedrich II, edle Steine, Erze und Perlen aufsp\u00fcren und andere an solchen Aktivit\u00e4ten hindern. Funde waren abzuliefern, sie waren automatisch Eigentum des Kurf\u00fcrsten. Das ist vermutlich auch der Grund, warum es heute keine \u00dcberlieferungen gibt, welchen Mengen Achat in Wiederau gef\u00f6rdert wurden und welchen Wert die Steine hatten. Die Edelsteininspektoren, wie sie sp\u00e4ter hie\u00dfen, bereisten regelm\u00e4\u00dfig das Land und hinterlie\u00dfen Berichte \u00fcber die aufgesp\u00fcrten Vorkommen. Seit dem 17. Jahrhundert wird auch das Amt eines Marmorinspektors erw\u00e4hnt. Als solcher wurde 1700 Johann Zellmann eingesetzt, der zus\u00e4tzlich Edelsteinbr\u00fcche zu \u00fcberwachen hatte und sp\u00e4ter auch B\u00fcrgermeister von Rochlitz war.<em>&nbsp;(Quelle: Quellmalz\/Karpinski: &#8222;Die edlen Steine Sachsens&#8220;, Leipzig, 1990)&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/bergbau-seelitz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/achate-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-397\" srcset=\"https:\/\/bergbau-seelitz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/achate-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/bergbau-seelitz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/achate-300x200.jpg 300w, https:\/\/bergbau-seelitz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/achate-768x511.jpg 768w, https:\/\/bergbau-seelitz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/achate-1536x1023.jpg 1536w, https:\/\/bergbau-seelitz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/achate.jpg 1895w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Wiederauer Achate aus der Sammlung Junghanns, gefunden 1992<\/em><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Der &#8222;Wiederauer Achat&#8220; (auch &#8222;Rochlitzer Achat&#8220; genannt) wurde von 1717 bis 1721 bergm\u00e4nnisch gewonnen aus zuletzt zwei Sch\u00e4chten mit 7 und 11&nbsp;<sup>1<\/sup>\/<sub>8<\/sub>&nbsp;Lachter Teufe. Die &#8222;Bartholom\u00e4i Fundgrube&#8220; wurde durch den Steiger Gottfried S\u00e4ttler im Juli\/August 1717 beim Bergamt Schneeberg gemutet, am 17.08.1717 hat er die Geb\u00fchren beglichen. Der Schacht war zuvor auf 1&nbsp;<sup>1<\/sup>\/<sub>2<\/sub>&nbsp;Lachter geteuft, man hoffte auf Silber. Dabei entdeckte S\u00e4ttler bereits 1716 die Calcedonkugeln und \u00fcbergab sie Marmorinspektor Zellmann, die sie nach Dresden sandte, wo sie von vielen Experten (einschlie\u00dflich Johann Friedrich B\u00f6ttger, Porzellanfabrikant aus Mei\u00dfen) hoch gelobt wurden &#8211; es seinen die sch\u00f6nsten Steine \u00fcberhaupt und \u00fcbertr\u00e4fen alles bisher gekannte.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Die Aufsicht \u00fcber die Grube wurde Herrn Zellmann zugewiesen. S\u00e4ttler meinte, es g\u00e4be noch viele G\u00e4nge und sch\u00f6nes gelbes Gestein und er hoffe auch auf Silber. Es wurde sofort abgebaut, bereits im gleichen Jahr wurde das Geld knapp. Zellmann schilderte die Situation schriftlich dem K\u00f6nig. Das Bergamt Schneeberg bezahlte sp\u00e4ter eine Rechnung, die Zellmann nicht mehr verlegen wollte und schlo\u00df die Grube vorerst. Grund waren von Beginn an zunehmende Probleme mit der Wasserhaltung. Der Abbau scheint zu ruhen, bis Dresden im Oktober 1719 eine gr\u00f6\u00dfere Menge &#8222;Calcedonnieren&#8220; bestellt. Zellmann berichtet von einer eingedr\u00fcckten Kaue infolge andauernden Regens und der Gefahr, dass der Schacht bald verst\u00fcrzt; das Bergamt hatte noch keine neue Entscheidung gef\u00e4llt. In der Folge wird wieder gearbeitet, im M\u00e4rz 1720 wird ein neuer Schacht geteuft, und es werden gute Funde gemacht. Ein Stolln zur Entw\u00e4sserung wird im Sommer aufgefahren, die Sch\u00e4chte weiter abgesunken. Der Aufwand mu\u00df immes gewesen sein, da heftig Wasser einbricht. Bereits nach Fertigstellung des Stollns im Sommer wird bei Schichtbeginn t\u00e4glich 3 bis 4 Stunden gepumpt, um das nachts eingebrochene Wasser zu beseitigen. Anfang 1721 sind 7 Arbeiter Tag und Nacht in der Grube besch\u00e4ftigt. Zwischendurch gibt es Vorschl\u00e4ge, wie die Wasserprobleme zu l\u00f6sen seien (Bau einer Wasserkunst mit langem Kunstgraben, R\u00f6sche vom Dorfbach, neuer Stolln in gr\u00f6\u00dferer Tiefe oder ein Feldgest\u00e4nge von einer M\u00fchle zum Stolln werden in Erw\u00e4gung gezogen). Mitte 1721 sind 9 Knechte rund um die Uhr allein mit der Wasserl\u00f6sung besch\u00e4ftigt. Es wird fieberhaft in alle Richtungen versucht, weiter abzubauen; wobei die Funde abwechselnd gut und dann wieder entt\u00e4uschend ausfallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 06.12.1721 wird die Grube wegen zu hoher Kosten (\u00fcber 1000 Thaler waren verbraucht worden) endg\u00fcltig geschlossen. Nochmals im Jahr 1730 erhielt Herr Johann Caspar Schmieder eine Konzession f\u00fcr den Abbau, von der er aber keinen Gebrauch machte. 1743 erhielt ein Herr Christoph Abraham Stephanie die Konzession f\u00fcr den Wiederauer Bruch und sollte mit Schmieder zusammenarbeiten. Beide sch\u00fcrften jedoch sp\u00e4ter auf Altendorfer Flur (Chemnitz), was zu Beschwerden und zu einer Gesetzes\u00e4nderung (Vergaberecht f\u00fcr S\u00e4chsische Edelsteinvorkommen) f\u00fchrte. So wurde das Wiederauer Bergwerk nie wieder aufgenommen.&nbsp;<em>(Quelle: &#8222;Das Vorkommen des Rochlitzer Achates&#8220; in Wiederau bei Rochlitz, Sachsen&#8220;, Walter Fischer, Staatliches Museum f\u00fcr Mineralogie und Geologie zu Dresden 1940)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1956 hat die Staatliche Geologische Kommission Freiberg im Auftrag der Staatlichen Plankommission der DDR Erkundungen in Wiederau durchgef\u00fchrt &#8211; es gab Bedarf an Industriemineralien (Achat f\u00fcr Lager und M\u00f6rser) und auch die Schmuckindustrie sollte &#8222;eine gewisse Menge&#8220; Achat abnehmen. Dabei waren keine konkreten Forderungen hinsichtlich Qualit\u00e4t und Quantit\u00e4t der Steine gestellt worden. Die Entscheidung hinsichtlich des zu untersuchenden Vorkommens fiel gegen Schlottwitz und Halsbach, da in Wiederau ein vergleichsweise hoher Achatanteil (weniger grobkristalliner Quarz) und fehlerfreieres Material vermutet wurde. Zun\u00e4chst sollten Sch\u00fcrfe angelegt werden, um den Porphyr nachzuweisen. Dabei bediente man sich w\u00e4hrend der Arbeiten vom 27.08. bis 22.10. des vorgenannten Berichtes von Fischer einschlie\u00dflich Lageplan, der Porphyr jedoch wurde nicht angetroffen. Im ehemaligen Kunstschacht soll sich jetzt ein Brunnen befinden, der immer reichlich Wasser f\u00fchrt. Im Schurf 7 wurde vermutlich eine Schicht aus einer alten Teichanlage angefahren, es k\u00f6nnte ein Zusammenhang mit der Wasserhaltung des fr\u00fcheren Bergbaubetriebes bestehen. Weiter wurde angenommen, dass wegen der \u00fcberlieferten massiven Wasserhaltungsprobleme des Bergwerkes aus dem fr\u00fcheren Stolln jetzt noch Wasser austritt; jedoch wurden nur geringe Mengen Sickerwasser in der Mauerbefestigung des Bachufers festgestellt, weswegen angenommen wurde, dass die Grubenbaue gr\u00f6\u00dftenteils verst\u00fcrzt sind. Letztlich sind \u00fcberall dort ergebnislos Sch\u00fcrfe angelegt worden, wo es die Oberfl\u00e4chenverh\u00e4ltnisse des Areals zugelassen haben (Stra\u00dfe, Geb\u00e4ude, B\u00f6schungen). Wegen des ausgebliebenen Erfolgs plante man f\u00fcr das Jahr 1957 Bohrungen bis 30m Tiefe, die bessere Ergebnisse bringen sollten.&nbsp;<em>(Quelle: Zwischenbericht der Staatlichen Geologischen Kommission Freiberg vom 11.12.1956)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es soll neben der Hauptgrube in Wiederau einen weiteren Abbau bei Seelitz gegeben haben. Man habe bis 1728 einen Stolln betrieben; teils auf einem m\u00e4chtigen Gang, teils auf Tr\u00fcmern und Nieren im Porphyr.&nbsp;<em>(Quelle: Johann Carl Freiesleben, &#8222;Magazin f\u00fcr die Oryktographie von Sachsen&#8220;, II. Heft, 1828)<\/em>&nbsp;Im Zusammenhang damit wird in&nbsp;<strong><em>&#8222;Schumanns Lexikon&#8220; (1824)<\/em><\/strong>&nbsp;das P\u00fcrstener Tonlager erw\u00e4hnt; der aus Calzedon, Amethyst und Quarz gebildete Stein werde gew\u00f6hnlich &#8222;Rochlitzer Achat&#8220; genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeitsgruppe hat das Gel\u00e4nde der ehemaligen Achatgrube mehrfach befahren und auch Sch\u00fcrfe angelegt, konnte dabei jedoch keine Spuren des damaligen Bergbaus nachweisen. Es wurde kein Haldenmalterial gefunden, auch der Stollneingang mit dem fr\u00fcheren Wasseraustritt ist nicht mehr kenntlich. In diesem Zusammenhang bleibt zu erw\u00e4hnen, dass das Gel\u00e4nde durch Bebauung, Aushub bzw. Auff\u00fcllung mit Mutterboden in den vielen Jahren immer wieder ver\u00e4ndert wurde. Letztlich k\u00f6nnen nur Vermutungen angestellt werden, wo genau sich die Sch\u00e4chte und der Stolln befunden haben. Auch der vor\u00fcbergehende Aufschluss 1992 ist aufgrund der Tiefe der Baugrube und der nun anliegenden Medien nicht mehr zug\u00e4nglich. Somit bleibt nur die Hoffnung, dass es bei k\u00fcnftigen Tiefbauarbeiten in und um Wiederau vielleicht noch einmal eine \u00dcberraschung gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Passenderweise sei hier Johann Friedrich Wilhelm Carpentier&nbsp;<em>(&#8222;Mineralogische Geographie der Churs\u00e4chsischen Lande&#8220;, 1778)<\/em>&nbsp;zitiert: &#8222;&#8230;die sch\u00f6nsten Steine dieser Art&#8230; , &#8230;und nunmehro um so vielmehr eine Sch\u00f6nheit ausmachen, da seit dieser Zeit nicht wieder daselbst ist gearbeitet worden, da\u00df kaum noch die Stellen, wo man ihn gewonnen hat, kenntlich geblieben sind.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Hierunter verdienen haupts\u00e4chlich diejenigen, welche unter dem Namen des&nbsp;rochlitzer Agats&nbsp;bekannt geworden, aller Kenner Bewunderung, weil sie gewi\u00df alle Agate in der Welt an Sch\u00f6nheit \u00fcbertreffen, und, wegen ihres entstandenen Mangels, sehr theuer bezahlet werden.&#8220;&nbsp;(Bergrat EILENBURG, Inspektor des Dresdner Mineralienkabinetts, 1755) Die Geschichte der s\u00e4chsischen Edelsteine l\u00e4sst sich viele Jahre zur\u00fcckverfolgen; blieb sie doch nicht ihrem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":928,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-77","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bergbau-seelitz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/77","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bergbau-seelitz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/bergbau-seelitz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bergbau-seelitz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bergbau-seelitz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=77"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/bergbau-seelitz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/77\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1585,"href":"https:\/\/bergbau-seelitz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/77\/revisions\/1585"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bergbau-seelitz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/928"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bergbau-seelitz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=77"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}